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spvgg erkenschwick 1955 1970Deutscher Amateur-Vizemeister und am Ende noch der Sprung zurück in die Zweitklassigkeit: Der Juli 1969 war einer der denkwürdigsten Monate überhaupt in der traditionsreichen Vereinsgeschichte der Spvgg. Erkenschwick. Trainer war Rudi Schulz. Wann – und vor allem für wen – wird gleich zweimal ein D-Zug quasi auf offener Strecke angehalten?

 

Zum Halbfinal-Rückspiel beim SV Emmendingen gelang das den Erkenschwickern. Zunächst bei der Hinfahrt am 4. Juli. Dann zur Heimreise nach dem 4:1-Sieg am 5. Juli.

Wo wird schon einmal ein „Bahnhof für einen Tag” eingerichtet? Richtig! In Oer-Erkenschwick am damaligen Ende des alten Zechenbahngleises neben dem Stadion. Das war am 12. Juli, und von diesem „Bahnhof für einen Tag” wurden immerhin 1 200 Fans mit einem Sonderzug nach Krefeld-Uerdingen zum Endspiel um die Deutsche Amateurmeisterschaft gegen den SC Jülich 1910 (1:2) befördert.

Spielbericht 1969 gegen HagenWo beulen sich schon mal die Taschen vieler Ordnungskräfte an den Stadiontoren verdächtig kräftig aus, weil darin vermutlich Eintrittsgelder hineingewandert sind? Na klar, bei einem ganz besonderen Spiel der Stimberg-Elf. Das stieg am 20. Juli 1969 in der Kampfbahn Rote Erde in Dortmund. Da ging es acht Tage nach dem Amateurmeisterschafts-Endspiel zwischen der Spvgg. Erkenschwick mit Trainer Rudi Schulz und dem SSV Hagen immerhin noch nachträglich um den Einzug in die alte Regionalliga West und damit um den Sprung zurück in die Zweitklassigkeit.

Eigentlich wollte der Westdeutsche Fußball-Verband (WFV) dieses Entscheidungsspiel auf dem Platz des Dortmunder SC 95 austragen lassen. Doch beide Klubs protestierten gegen diesen Austragungsort: Maximal 9 000 Zuschauer. Das sei ein viel zu geringes Fassungsvermögen sagten die Verantwortlichen beider Vereine. Für die dann in die „Rote Erde” verlegte Partie druckte der WFV 16 000 Eintrittskarten. Das war immer noch zu wenig, wie sich schnell herausstellte. Borussia Dortmund als „Quasi-Gastgeber” beschaffte Reservekarten aus den Beständen der eigenen Jugendabteilung. Selbst die reichten bei weitem nicht aus. So beulten sich dann halt die Taschen der Einlass-Ordner später verdächtig aus wegen ungezählter Geldmünzen, die dort auf Nimmerwiedersehen verschwanden.

Mindestens 22 000 Zuschauer seien dagewesen, so schätzten vorsichtig Stadion-erfahrene Dortmunder Polizeibeamte. Unterm Strich waren es am Ende sogar zwischen 28 000 und 30 000 Zuschauer, die diese Partie erlebten, in der der Treffer von Mannschaftskapitän Karl-Heinz Seidenkranz in der 9. Minute der Verlängerung zum 2:1 der Spielvereinigung den Sprung zurück in die Zweitklassigkeit bescherte.

von Jürgen Seyb