Erdem ibrahim8Westfalenligist Spvgg. Erkenschwick verspielt beim 2:4 (1:1) auf eigenem Platz gegen den Kirchhörder SC eine große Chance auf Platz zwei. Der Trainer setzt erstmals zu einem kollektiven Tadel an. Um 15:10 Uhr hing die schwarz-rote Welt an diesem Sonntag noch voller Geigen: David Sawatzki hatte seine Farben nach einer Flanke von Dennis Weßendorf per Kopf mit 1:0 in Führung gebracht. Es war ein optimaler Auftakt für die „Schwicker“, die einen kompakt stehenden Gegner früh empfindlich getroffen hatten.

 

Ibrahim Erdem Spvgg. Erkenschwick Fußball Westfalenliga Saison 2017/2018 Ibrahim Erdem taucht im Kirchhörder Strafraum auf, kann den Flankenball aber nicht kontrolliert aufs Tor bringen. Foto: Olaf Krimpmann

 Zwei Stunden später zogen gefährliche Gewitterwolken auf, der Trainer höchstselbst – ansonsten stets bemüht, das Positive in den Vordergrund zu rücken – war angefressen. „Wenn es einen Preis für Dummheit gäbe, hätten wir heute den Hauptgewinn verdient“, ätzte René Lewejohann. Weit und breit war niemand in Sicht, der dem Übungsleiter ernsthaft widersprechen wollte. Wie auch?

 Mit der schwächsten Leistung unter seiner Regie hatte die Spvgg. gerade im Kampf um Relegationsplatz zwei wertvollen Boden verloren. Und das ohne Not. Es war schließlich nicht so, dass Kirchhörde die „Schwicker“ unter Druck gesetzt, dass der abstiegsbedrohte Gast sich eine Torchance nach der anderen erspielt hätte. Dafür sorgten die Hausherren schon selbst.

 Wie beim 1:1, als Marvin Kröger einen Eckball abklatschen ließ und Kirchhördes Markus Scherff aus kurzer Distanz einschoss. Wie beim 1:2 in der 55. Minute, als sich Dennis Weßendorf und Dennis Konarski von René Richter düpieren ließen, der auch noch das Auge hatte für den mitgelaufenen (und sträflich freien) Christian Wazian.

"Hauen uns alles, was wir aufgebaut haben, selbst um."

 Dem 1:3 ebenfalls durch Wazian nur fünf Minuten später ging zwar eine schöne Flanke von Scherff voraus, aber – bitteschön – die hätte man auch mit etwas Leidenschaft und Einsatz verteidigen können. So blieb René Lewejohann nur zu konstatieren: „Alles, was wir uns in den letzten acht Wochen mit harter Arbeit aufgebaut haben, hauen wir uns mit dem Arsch selbst wieder um.“

Nach zwei Niederlagen in Serie jedenfalls ist Rang zwei in weite Ferne gerückt, da YEG Hassel die Chance ergriff und dank des wohl uneinholbaren Torverhältnisses an der Spvgg. und auch am DSC Wanne vorbei marschierte.

 Es war aber nicht nur die lasche Verteidigungsleistung gegen Kirchhörde, die Trainer und Anhänger gleichermaßen wurmte. Es war auch ein Rückfall in längst vergessen geglaubte Verhaltensmuster im Offensivspiel. Der klare Torabschluss jedenfalls blieb am Sonntag so selten wie in Sechser im Lotto. Die beste Chance bot sich noch aus einem ruhenden Ball, als Philipp Mandla einen Freistoß aus 18 Metern Torentfernung um wenige Zentimeter neben den Pfosten setzte (63.).

 Sehenswert war zwar der Anschlusstreffer zum, 2:3 durch Ridvan Avci (nach einem schönen Hacken-Anspiel von Jan Binias). Aber ein schnörkelloses und Erfolg versprechendes Angriffsspiel war das alles nicht.

 Kirchhörde tat, was man erwarten durfte an diesem Tage: Die Dortmunder konterten in der Schlussminute und zwangen Dennis Konarski mit einer scharfen Hereingabe noch zu einem Eigentor.

von Olaf Krimpmann / Medienhaus Bauer

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